Text und Bild mit freundlicher Genehmigung durch die Heidenheimer Zeitung  -  Erwin Bachmann
 
Seit mehr als 30 Jahren richtet sich das ganze Bestreben der Jugendverkehrsschule dahin, Kinder davor zu bewahren, unter die Räder zu kommen. Wie groß die Gefahr ist und wie mächtig diese Räder sein können, wird ihnen eindrucksvoll vor Augen geführt.  

Miriam blickt hoch, staunt und ist beeindruckt. „Wow . . .“ – so dick hat sie sich das nicht vorgestellt, was da im Straßenverkehr plötzlich neben ihr auftauchen könnte. Immerhin 160 Zentimeter misst der die kleine Radlerin um einige Köpfe überragende Traktorreifen, mit dem sie auf dem Gelände der stationären Jugendverkehrsschule fast hautnah Bekanntschaft geschlossen hat. Übungshalber, versteht sich.  
 
Schief gehen kann ohnehin nichts. Das schwergewichtige Übungsobjekt ist samt einem etwas kleineren Lkw-Reifen fest im Boden einbetoniert. Trotzdem soll das vom Autohaus Eugen Sing und dem Rotensohler Landgeräte-Händler Franz Schmid jetzt zur Verfügung gestellte Ensemble in Zukunft noch einiges bewegen. Kindern wird plastisch gezeigt, was geschehen kann, wenn sie mit dem Rad beim Linksabbiegen etwas falsch machen – dass sie dann genau so ein Lkw-Rad erwischen kann, das schon ohne Zuladung mit vier Tonnen auf die Straße drückt.  
 
Den Blick und das Bewusstsein dahingehend zu schärfen, ist Teil der von der Jugendverkehrsschule betriebenen Radausbildung, die in den Seewiesen von vier speziell ausgebildeten Beamten der Polizei geleistet wird. Walter Macher, Erwin Schöfl, Horst Eberhardt und Harald Wenzel machen dort einen Job, der offenbar immer wichtiger wird. „Der Straßenverkehr nimmt zu, aber die motorische Fähigkeit der Kinder hat abgenommen,“ berichtet Alfons Pfaff, der im Polizeipräsidium Ulm für die Verkehrsprävention zuständig ist. Mädchen und Jungen haben zum Beispiel zunehmend Schwierigkeiten, einhändig zu fahren – was sie müssen, um beim Abbiegen Zeichen geben zu können. Tun sie’s, sind sie nicht selten verunsichert, müssen sich mehr auf ihre Balance konzentrieren als auf den Verkehr. Die Jugendverkehrsschule wird also immer wichtiger. Und das zeigen auch die Zahlen: Im Schuljahr 2013/14 waren es 1222 Viertklässler aus 69 Grundschulklassen, die nach einem 20-stündigen Theorieunterricht an ihren Schulen ihre einwöchige praktische Fahrradausbildung absolviert haben – darunter 39 Klassen außerhalb Heidenheims, die vor Ort von der mobilen Jugendverkehrsschule angefahren werden.  
 
Die tragende Rolle in diesem Geschehen spielt die Kreisverkehrswacht Heidenheim, deren Vorsitzender Karl Schaible noch selbst die Anfänge der Schule im Jahr 1982 erlebt hat. Seit dieser Zeit sind allein in diesem praxisnah gestalteten Schonraum in den Seewiesen an die 21 000 Viertklässler sattelfest gemacht worden – was nicht zuletzt der Stadt Heidenheim zu verdanken ist, die die von der Kreisverkehrswacht aufzubringende Pacht seit Jahr und Tag als Zuschuss verrechnet.  
 
Einer, der mit in die Pedale tritt, wenn es um die Zukunft der Verkehrserziehung geht, ist Helmut Pappe. Der langjährige Verkehrsreferent der Polizeidirektion Heidenheim und heutige Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht registriert denn auch mit Genugtuung die Aussage von Alfons Pfaff, dass die personelle Ausstattung der Radfahrausbildung auch nach der Polizeireform nicht zurückgefahren wird.   
Wie überhaupt der Prävention weiter durchaus Vorfahrt eingeräumt werden soll. Dies gilt auch für Verkehrsaufklärungsaktionen, bei denen erwachsene Verkehrsteilnehmer und Fahranfänger zur Zielgruppe zählen. Auch dort geht’s unter anderem darum, den Blick für besondere Situationen zu schärfen: Sich etwa gedanklich auf Augenhöhe mit Kindern zu begeben, die zwischen Fahrzeugen nicht viel mehr als Stoßstangen sehen – und eben Autoreifen.   

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